Kartoffelbauern


Mein Vater wuchs in einem Haushalt auf, in dem nahezu jeden Tag Kartoffeln auf den Tisch kamen. Meine Großeltern wären jedoch nie auf die Idee gekommen, Kartoffeln zu kaufen. Ich erinnere mich noch gut an den am Hang gelegenen Kartoffelacker und das gemeinsame Kartoffelroden, zu dem diverse Teile der großen Familie anreisten. Die Kartoffeln wurden (für mich als Kind unverständlicherweise hangaufwärts) in große Körbe gesammelt und dabei schon nach Größe sortiert. War der Korb voll, wurde er in einen Jutesack geleert, die vollen Jutesäcke wurden auf den Hänger geladen und dann zu Hause in den Keller gebracht. Dort gab es ein gemauertes Kartoffelabteil, aus dem dann bis zum nächsten Herbst täglich Kartoffeln zum Mittag hochgeholt wurden.
Später, als meine Großeltern keine Schweine mehr hielten und selbst nicht mehr so fit waren, wurde nur noch ein Teil des Ackers bepflanzt. Die kleine Fläche war mit dem Traktor kaum noch sinnvoll zu bewirtschaften und so zogen mein Vater und ich die Kartoffelreihen mit dem Handpflug. Nach dem Pflanzen konnte mein Opa es immer kaum erwarten, dass die Kartoffeln auch ja endlich keimten und so drehten sich die sonntäglichen Telefongespräche oft um das kleine Stück Acker.
Jetzt pflanzt mein Vater im Garten hinter dem Haus neben viel Gemüse auch ein paar Reihen Kartoffeln, nur so viel, dass es über den Winter reicht bis es „wieder schöne Frühkartoffeln zu kaufen gibt“, wie meine Mutter sagt. Die Reihen ziehen wir nach wie vor mit dem Handpflug, auch wenn ich mir diese Arbeit dieses Jahr mit dem Besten geteilt habe. Dann werden die Kartoffeln in regelmäßigen Abständen, die man so im Gefühl hat, in die Reihen gelegt. Ein bisschen Blaukorn kommt noch oben drauf, dann werden die Reihen wieder zugemacht und noch ein bisschen angehäufelt. Nun heißt es warten und hoffen dass die Pflanzen auch da aufgehen, wo die Reihen sind.

Gepflanzt haben wir dieses Jahr übrigens Annabelle, Prinzess und Allianz, drei festkochende, schön gelbe Kartoffelsorten. Nach wie vor ist sich die Familie da einig: eine richtig leckere Kartoffel muss goldgelb sein.

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