Bleibt alles anders

Es ist hier etwas ruhig gewesen, seit den 12 von 12. Das liegt nur bedingt an meiner Faulheit, ich habe auch über ein paar Dinge ein wenig hin- und her überlegt.
Seit dem Wochenende lese ich in vielen Blogs Erklärungen, was die Menschen dazu bewegt, trotz aller Gräuel in der Welt trotzdem ihren ganz banalen Alltag zu posten. Jetzt, nach Paris, ist da irgendwie dieser Schock, diese Angst, die bei vielen aus dem Hinterkopf nach vorne gekrochen ist. Klar, auch mich macht so etwas traurig, auch mir macht das ein wenig Angst. Vor allem weil ich mir nicht sicher bin, ob unsere Politiker das irgendwie geregelt kriegen. Das Gefühl, den Konflikt nicht lösen zu können macht mir fast mehr Angst, als die direkte Bedrohung. Aber die meiste Zeit kann ich all das gut wegschieben. Ich bin da im Laufe der letzten Jahre sehr abgestumpft, so traurig das klingt. Mein Leben läuft weiter und das ist gut so.
Was mich fast noch mehr beschäftigt, ist die Ambivalenz, mit der wir auf solche Ereignisse reagieren. Wenn Terror und Leid in unserer Nachbarschaft stattfinden sind wir immer so viel mehr schockiert und betroffen, als wenn es irgendwo anders passiert. Wenn so eine Anschlagswelle zum Beispiel Bagdad treffen würde, wäre dann die (mediale) Reaktion die Gleiche? Würden sich dann auch alle Politiker in Kondolenzbücher eintragen und wichtige Statements geben? Oder wäre das nur eine Meldung unter vielen aus einer beinahe aufgegebenen Weltregion? Ich will hiermit nicht das, was in Paris geschehen ist, irgendwie hinunterstufen. Es ist grausam, es ist krass, es macht Angst, es macht traurig. Ich will vielmehr das gesamt Leid in der Welt ein bisschen in den Vordergrund rücken. Überall auf der Welt schwelen Krisen und sterben Menschen. Tagtäglich. Und manchmal kommt uns dieses Leid besuchen und auf einmal müssen wir uns rechtfertigen, warum wir jeden Tag so fröhlich und banal alltäglich verbringen wie wir es tun. Diese Frage stellt sich für mich nicht nur nach Paris. Diese Frage müsste ich mir jeden Tag stellen. Und als Antwort darauf versuchen etwas zu ändern. Im ganz Kleinen. Im Supermarkt keine Plastiktüte nehmen. Meinen internationalen Arbeitskollegen erklären, wie Deutschland funktioniert. Meine Religion als offen und tolerant leben. Den alten Herren am Jägerstammtisch vorleben, wie selbstverständlich Gender funktionieren kann. Ich muss nicht gleich die großen Konflikte lösen. Aber ich kann die ganzen kleinen Dinge tun, die diese Welt ein bisschen besser machen. Und bei der nächsten Wahl dafür sorgen, dass da in Berlin Leute sitzen, denen ich zutraue das auch zu tun.

Im übrigen hat mein Blog jetzt auch ein Impressum. Muss ja sein, auch wenn mir dabei nicht ganz wohl ist. Ich will meine Daten eigentlich für mich behalten. Ambivalenz, mal wieder.
Und morgen geht’s hier dann gewohnt belanglos weiter 😉

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