Advent, Advent

Noch ist es nicht ganz soweit, aber nach dem Ewigkeitssonntag darf man ja hemmungslos in Weihnachtsvorfreude und Dekoration schwelgen. Erster Akt in unserer alljährlichen Weihnachtskomödie (ich glaube fest daran, dass jede Familie sowas hat) ist stets „dieser dämliche Adventskranz“.

Meine Mutter hat, solange wir noch klein waren, bereitwillig den ganzen Weihnachtszirkus ausgeführt. Dazu gehört, natürlich, ein selbstgebundener Adventskranz. Die Herstellung ebendieses war jedes mal ein Drama. Meine Mutter ist basteltechnisch nicht unbegabt, ganz in Gegenteil, aber leider auch sehr, sehr perfektionistisch. Und da so ein handgemachter Kranz naturgemäß nie gleichmäßig dicht, gleichmäßig nicht-struppig und gleichmäßig rund wird, war Frust vorprogrammiert. Dazu kam dann manchmal auch noch das unzureichende Grün, das mein Vater besorgt hatte (ich glaube da hat sich öfter eine ganze Menge Frust entladen).
Seit mein Bruderherz und ich nun beide aus dem Alter heraus sind, in dem man aus pädagogischen und mutterliebenden Gründen alles auf sich nimmt, um den Weihnachtszauber zu beschwören, weigert sich meine Mutter zunehmend, sich der Tradition willens so einen Stress zu machen. Da wir aber einschließlich unseres Vaters auf die Einhaltung aller Traditionen beharren, ist das Drama weiterhin dabei. Die letzten Jahre habe ich angefangen, meinen eigene Adventskranz zu binden. Ich hätte auch liebend gern einen für die Familie gemacht, aber nun ja. Was meine Mutter bei Handgemachtem perfektionistisch ist, bin ich eher entspannt. Meine Adventskränze sind daher „rustikaler“ oder, wie der Beste es liebevoll beschreibt: „Monstertruckreifen“.

Also stand meine Mutter neben mir auf den Terasse, fluchte über blöde Zweige und hässliche Kränze und baute einen Familienkranz zusammen. Dieses Jahr jedoch weigerte sie sich zum ersten Mal komplett. „So ein blödes, hässliches Ding, das wird nie angeschaut und nadelt nur rum. Anzünden tun wir die Kerzen eh nicht.“ Nach einem Hundeblick meines Vaters stand ich also heute morgen auf der Terasse und band gleich zwei Kränze. Gegen Mutters Protest zog einer direkt ins elterliche Wohnzimmer ein, der zweite zu uns. Dekoriert wurde dann aber wieder gemeinsam, das Familienexemplar muss ja dann doch höheren Ansprüchen genügen als „meiner“. Ich muss sagen, dieses Jahr bin ich außerordentlich zufrieden. Der Advent kann kommen. Und die nächsten Tage wird dann auch der Rest der Weihnachtsdeko aufgebaut. Endlich Advent!

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2 Gedanken zu “Advent, Advent

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