Kulturprogramm

Wenn man unter der Woche viel zu tun hat, nimmt man sich für das Wochenende am Besten auch noch was vor. Folgerichtig haben wir am Samstag einen lange von mir gehegten Wunsch erfüllt und das Niedersächsische Landesmuseum Hannover besucht. In den letzten Jahren sind die Sammlungen zur Natur- , Völkerkunde und Frühgeschichte komplett überarbeitet worden, dementsprechend hoch waren unsere Erwartungen. Gegliedert ist das Museum in drei Bereiche, Naturwelten, Menschenwelten und die Landesgalerie, der Eintritt für Studenten beträgt drei Euro, einen Audioguide gibt es kostenlos (später dazu mehr).

Die Naturwelten sind eine Kombination aus Viavrium und Museum, es gibt einen großen Aquariumbereich, Reptilien, Amphibien und Kreta Stachelmäuse zwischen typischen Museumsexponaten. Landschaften Niedersachsens werden ebenso behandelt wie die Formenvielfalt im Tierreich und Dinosaurierspuren. Das Design der Ausstellung gefällt mir sehr gut, helles Holz und ein frisches Farbkonzept, das sieht gleich viel moderner aus. Für Kinder gibt es einen Audioguide, eher ein Hörspiel, das durch die Ausstellung führt, natürlich mussten wir den testen. Leider beginnt es aus uns nicht wirklich ersichtlichen Gründen in der Mitte der Ausstellung und die einzelnen Hörbeiträge sind recht lang und auch eher langatmig. Auch geht er nur auf einzelne Exponate ein, wenn man die anderen Informationen noch wahrnehmen will, braucht man entsprechend lange. Ich habe also nur rein gehört und dann lieber die Erklärungstafeln überflogen. Die Erklärung der Exponate schwankt zwischen viel zu ausführlich und viel zu kurz, ein weiterer Kritikpunkt. Auch war uns nicht immer klar, wo man jetzt so konzeptionell langgehen sollte und Übergänge zwischen den einzelnen Teilbereichen waren nicht ersichtlich. Wegen der Vielfalt an lebenden Tieren und der schönen Gestaltung der Ausstellung lohnen sich meiner Meinung die Naturwelten trotzdem. Gerade mit Kindern sind die paar Euro Museumseintritt dafür schon in Ordnung. Leider hatte ich in diesem Museumsbereich meine Kamera nicht dabei und ich ärgere mich, das ich nicht nochmal wiedergekommen bin um die Bartagamen unter dem Dinoskelett zu fotografieren.

Die neugestalteten Menschenwelten sollen Frühgeschichte und Völkerkunde miteinander verbinden und einen Bezug zu den aktuellen gesellschaftspolitischen Themen Migration, Religion, Geld, Kolonisation etc. herstellen. Ich holte meine Kamera aus den Kleiderschließfach, in Erwartung einiger toller Bilder. Leider ist ein Großteil der Ausstellung immer noch sehr klassisch konzipiert: Wir stellen mal aus, was wir in Ausgrabungsstätten so gefunden haben. Das Ganze ist zwar mit einem hübschen Farbkonzept versehen, aber vitrinenweise Faustkeile und Töpfe mit eher deskriptiven Texten lässt anfängliches Interesse doch erlahmen. Auf den Erklärtafeln (zumindest denen, die wir gelesen haben) wird wenig auf den Kontext eingegangen, hier hätte man viel über zum Beispiel gesellschaftlichen Wandel, Kulturbegegnungen oder Christianisierung erzählen können. Zum Thema Mittelalter sieht man nicht eine Ritterrüstung, nicht ein Bild einer Burg, keine „so sah Hannover im Mittelalter aus“ Visualisierung. Überhaupt hat es mir sehr an Bildern gefehlt. Statt den fünfzehnten Faustkeil noch auszustellen wäre vielleicht ein kleines Video oder Fotos von Reenactments, Funktionsdemonstrationen oder ein „so denken wir hat das Lager ausgesehen“-Plan gut gewesen. An einzelnen Multimediastationen kommt das vor, oft aber in sehr langen Sequenzen, die wieder die Geduld des Besuchers herausfordern. Ein Beispiel: Es gibt eine Hörstation mit Musik von einer Knochenflöte. Nachdem man den entsprechenden Knopf gedrückt hat, spielt das nicht etwa ein 30 Sekunden Beispiel sondern bestimmt ein zweiminütiges Lied. Bereits nach 10 Sekunden hat man aber den Punkt „okay, so klingt also eine Knochenflöte“ erreicht und geht weiter. Eine wieder verwirrende Mischung aus zu viel und zu wenig Informationen. Der völkerkundliche Bereich ist ähnlich gestaltet und wirkt etwas lieblos an den Rest angehängt.
Man könnte aus dem Ganzen eine interessante Sache machen, wenn man einen guten Begleitaudioguide an der Hand hätte, der im Verlauf der Ausstellung eine Einordnung zu den gezeigten Gegenständen und den historischen Daten gibt. Der bereits existierende Audioguide besteht aus der Erzählung von Menschen verschiedener Herkunft, die über ihre Geschichte und ihre Kultur erzählen. Ein schönes Projekt, sicher interessant, aber überhaupt nicht im Bezug zu dem, was man in der Ausstellung sieht, weswegen ich da nicht weiter hineingehört habe. Fazit zu diesem Teil: man kann mal durchlaufen, wenn man da ist und sich ein-zwei Lieblingsartefakte suchen, ansonsten ist viel Potential verschenkt worden.

Anschließend waren wir noch in der Landesgalerie, eine klassische Sammlung mit Bildern alter Meister. Hier gibt es zu einzelnen Bildern Audioguidekapitel (auf hoch- und plattdeutsch!), die über Bild, Künstler, Entstehung und Konzept erzählen, für Kunstlaien wie uns hilfreich. Berühmt ist diese Sammlung auch für zahlreiche mittelalterliche Altarbilder, Bibelszenen mit viel Blattgold, muss man mögen. Unsere Aufmerksamkeit war zu diesem Zeitpunkt bereits erschöpft, daher schauten wir lediglich oberflächlich ein bisschen herum. Für Kunstfans aber sicherlich eine schöne, kompakte Sammlung mit Werken aus allen namhaften Epochen.

Als kleine Versöhnung mit dem anstrengenden Programm hatte es dann draußen angefangen zu schneien und aus den großen Panoramafestern im oberen Stockwerk konnten wir noch die weiße Winterlandschaft bewundern, bevor wir uns selbst dort hinaus wagen mussten. Insgesamt ein schöner Ausflug und für den human Eintrittspreis kann man sich auch nur die Naturwelten angucken und sich an den Aquarien erfreuen 😀

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