Shanghai


Es begab sich aber zu einer Zeit, da der Beste für vier Wochen ans andere Ende der Welt zog um seinen wissenschaftlichen Horizont zu erweitern. Und da es sich damit um eine einmalige Gelegenheit für mich handelte, ebenfalls meinen Horizont zu erweitern, nahm ich eine Woche Urlaub und flog mal eben hinterher nach Shanghai.
Shanghai ist keine Großstadt, sondern einen Riesenstadt. Etwa 20 Millionen Menschen wohnen dort, plus noch ein paar Millionen illegaler Wanderarbeiter. Es gibt viele sehr große Shoppingmalls, noch mehr Hochhäuser und eine atemberaubend erleuchtete Skyline. Es gibt aber auch viele Parks und Grünflächen, buddhistische Tempel und einen alten chinesischen Garten. Man kann sehr preiswert und sehr lecker essen, je nach Geschmack sehr scharf oder auch nicht. Einen großen Becher Schwarztee mit Milch oder einen Zitronengrüntee mit Eis auf die Hand für unterwegs und los geht‘s. Die Metro fährt zuverlässig, schnell und preiswert und ist, genau wie alle Straßen, auch auf Englisch beschriftet. Nur beim Bestellen im Restaurant oder Café wird es sprachlich zum Abenteuer, mit Lächeln, Gestik und ein bisschen Glück kommt man aber zum Ziel.
Ich habe in einer Woche alle wichtigen Sehenswürdigkeiten gesehen und dazu ein bisschen in eine Kultur geblickt, die einfach anders ist. Gern wäre ich ein bisschen länger geblieben, um noch ein paar weitere kulinarische Experimente zu wagen und für jeden der Daheimgebliebenen das perfekte Souvenir zu ergattern.

Ich habe die Skyline von Pudong am Abend bewundert, war im Yu Garten und Stadtgotttempel, bin durch die alte französische Konzession gelaufen und habe Chinesen im Park beim Tanzen und Wasserkaligraphieren beobachtet. Ich bin sogar außerhalb der Stadt im Naturpark von Sheshan wandern gewesen und habe mit einem chinesischen Baby für ein Foto geposed. Ich habe den buddhistischen Jing‘An Tempel besucht und anschließend die Konsumtempel auf der Nanjing Donglu durchstöbert. Uns wurden mehrfach Uhren und Handtaschen angeboten und wir waren die einzigen, die bei Luftqualitätsindex „ungesund“ die Feinstaubmasken trugen.

Wir haben alle Varianten von Teigtaschen und gefüllten Hefeklössen probiert, sind große Fans von süß-saurem Schweinefleisch geworden, haben einmal ein scharfes Hühnchen (inklusive Kopf und Füße) bestellt und zur Heimwehbekämpfung im Paulaner Biergarten gegessen. Ich habe mit Zeigen und Nicken an Straßenständen Essen gekauft, süßes Brötchen mit geschreddertem, getrockneten Fleisch probiert und das schlimmste Wassereis meines Lebens gegessen.

Und als die Stewardess auf dem Heimflug bedauernd sagte sie habe nur „diesen Jasmintee“, da waren wir fast ein bisschen entrüstet. Jasmintee rockt.
Kurzum: es war einen tolle Erfahrung. Shanghai ist perfekt für einen Städtetrip und westlich genug, um einen sanften Einstieg in die chinesische Kultur zu erlauben. Ich würd‘s wieder tun.

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Nebelberge


Schon als ich die Einladung meines Graduiertenkollegs zur gemeinsamen Brockenwanderung im Oktober bekam war klar, dass das bestimmt ein recht kühles und nasses Vergnügen werden würde. Trotz widriger Wettervorhersage wurde das geplante Programm aber tatsächlich durchgezogen, sodass wir durch dicken Nebel und beständigen Nieselregen auf dem berühmten Goetheweg dem Gipfel entgegen stapften. Ich war glücklich. Ich mag den Wald im Herbst, ich mag die frische, klare Luft, ich mag das Mythische, das der Nebel mit sich bringt, ich mag die Vorfreude auf die heiße Tasse Tee im Ziel.

Oben angekommen wurden wir dann auch mit der Aussicht auf eine dicke weiße Nebelwand und warmer Erbsensuppe belohnt.

Da es sich ja um einen offiziellen wissenschaftlichen Retreat handelte, gab es noch eine sehr lange Runde an Kurzpräsentationen mit Diskussion bevor wir durch den tatsächlich nochmal stärker gewordenen Regen wieder hinab stapften. Am Ende waren wir alle erschöpft, aber glücklich und ein wenig durchnässt.

Man sollte öfter mal bei Wetter nach draußen gehen.

Auf den Nadeln im Oktober

Herbstwetter ist Strickwetter. Um so mehr wenn man dem Herbst mit einem Langstreckenflug ans andere Ende der Welt entflieht, 10 Stunden im Flugzeug kann man durchaus auch mit Stricken verbringen (mehr dazu demnächst in diesem Theater). Das aktuelle Strickstück habe ich nicht ganz so lange geplant wie diese Reise, aber doch ein ganzes Stück im Voraus. Ich weiß gar nicht mehr genau wann ich auf Ravelry die Ankündigung für einen MKAL entdeckte – ein „mystery knit along“. Ganz viele Menschen stricken zur gleichen Zeit das gleiche Strickstück (knit along) ohne zu wissen was genau (mystery), denn der Strickdesigner veröffentlicht die Anleitung in kleinen Häppchen.
Als ich also eine Ankündigung für einen Zopfmustersocken MKAL sah, wusste ich, da bin ich dabei. Es war mal wieder Zeit Socken anzuschlagen und außerdem wollte ich mal wieder „zopfen“, das passte perfekt. Anders als vorgesehen habe ich mir allerdings keinen Schoppel Zauberball besorgt, sondern einfach ein bisschen in meinem Vorrat gewühlt und mich letztendlich für ein Knäuel Zitron Trekking entschieden.

Da ich wusste, dass ich diese Socken mit auf meine Flugreise nehmen möchte, habe ich mir kurzerhand Bambusnadeln besorgt. Es gibt ja immer große Debatten ob man Strickzeug mit in den Flieger nehmen darf oder nicht. Ich bin jedenfalls einwandfrei durch sämtliche Sicherheitsüberprüfungen gekommen, es wurde noch nicht mal nachgeguckt. Da ich mir nicht das dritte Sockenwollnadelspiel kaufen wollte habe ich kurzerhand zur Rundstricknadel gegriffen um den berühmt berüchtigten magic loop zu testen. Außerdem sieht das Muster vor, den Socken von unten, also von den Zehen nach oben zu stricken, auch das habe ich noch nicht gemacht. Eine Socke voller neuer Techniken und Ideen also.
Motiviert schlug ich also die notwendigen Maschen an (neue Technik: Judys magic cast on) und strickte los. Magic loop ist wirklich einfacher als man denkt, und nach ein paar Runden hatte ich dann auch den Bogen raus ohne durch ungewollten Umschlag heimlich Zunahmen zu stricken. Meine Spitze ist also ein bisschen zu kurz geworden, aber was soll‘s.

Der Fußteil strickte sich dann echt flott, alle vier Runden wird gezopft, das geht schnell von der Hand und mit dem magic loop muss nur noch halb so oft mit den Nadeln sortiert werden. Auf dem Heimflug ging‘s dann an die Ferse, als ganz neu und toll im Muster angekündigt war‘s dann tatsächlich die gute alte Bumerangferse 😀 Leider war ich durch das tolle Entertainment Programm doch so abgelenkt, dass ich eine Rückreihe rechts statt links strickte und den Fehler zwei Reihen später erst bemerkte. Das wollte ich dann doch nicht im Flugzeug müde und genervt wieder auftüddeln, also war erstmal Schluss. Wenn ich jetzt ein ruhiges Plätzchen finde geht‘s aber bald weiter, die Anleitung für den Schaft ist nämlich schon draußen und ich muss mich ein bisschen beeilen da aufzuholen.

Weiterhin auf meinen Nadeln ist auch das grüne Tuch, dass ich letztes Mal gezeigt habe. Es wächst langsam aber stetig vor sich hin, die Reihen sind inzwischen sehr lang und wenn ich parallel fernsehe dauert eine Reihe fast einen halbe Stunde. Da mein gelber foragers Scarf aber inzwischen im Dauergebrauch ist, will ich wirklich schnell fertig werden um mein neues Tuch dann auch Tag und Nacht tragen zu können. Es gibt nichts besseres bei den grauen Usselwetter als sich in Wolle zu hüllen. In diesem Sinne allen Strickern da draußen weiterhin viel Spaß und tolle Inspiration, auch zu finden bei Maschenfein und ihrer tollen Monatssammlung.

12 von 12

Ich weiß, zu spät, zu spät, aber was solls. 12 Bilder von meinem 12., mehr davon bei draußen nur Kännchen.

Ich kämpfe morgens sehr lange mit mir selbst bis ich mich endlich aus dem Bett quäle. Zum Frühstück gibt es wie immer eingeweichte Haferflocken, heute mit Gartenäpfeln und Zimt.

Es ist zwar eigentlich schon viel zu spät, aber die Wohnung sieht furchtbar aus… Das Geschirr stapelt sich und auf dem Esstisch sind Reiseproviant und anderer Kleinkram verstreut. Ich räume also erstmal auf.


Die Wäsche wird auch noch fix gefaltet. Ich besitze zur Zeit übrigens keine öffentlichkeitsfähige Jeans mehr, die Letzte ist Montag kaputt gegangen. Also gibt es jetzt farbige Hosen. Ist dann halt so.

Ich mache mich dann nur eine gute Stunde später als sonst auf zur Arbeit. Erste Amtshandlung: Stiefel gegen Sneaker tauschen und den Stilbruch zelebrieren.

Gibt dann auch bald schon Mittag mit dem motiviertesten Pinguin der Welt.

Nach der Arbeit schnell noch zum Discounter, ein paar Vorräte auffüllen.

Zuhause versacke ich ein bisschen auf dem Sofa. Dann fällt mir diese Postkarte in die Hände und ich schaffe es tatsächlich mich aufzuraffen.

Da der Beste noch immer außer Landes weilt, muss frau allein zurecht kommen. Unsere Heizungen heizen nicht, wie immer zu Beginn der Saison. Die bewährte Lösung heißt Thermostat abschrauben, Einstellnupsi wieder gängig machen, Thermostat wieder dran.

Da sich trotz meines Einsatzes wenig tut, kommt eben ein alter Hausfrauentrick zum Einsatz. Gegen kalte Hände hilft bügeln. Das hier wird eine neue Tischdecke.

Schnell noch ein bisschen Deko auf der neuen Decke arrangieren.

Zum Abendessen besuche ich das Bruderherz, dass diese Woche auch alleine zu Hause ist. Es gibt einen Klassiker: Käsesandwich.

Herbst im Wald


Was liegt näher als am Tag, an dem der verschwundenen Grenze im Land gedacht wird, die Grenzen dessen abzulaufen was seid Jahrhunderten der Dorfgemeinschaft gehört? Ein Waldspaziergang bei grauem Herbstwetter, mit frischer Luft, nasser Erde, grünem Moos und vielen Herbstschätzen, die in die Manteltasche wandern.




Das Licht immer wieder anders, je nachdem ob gerade ein Schauer oder eine Wolkenlücke vorüber zieht. Dazu waldbauliche Erläuterungen und angedrohte Arbeitseinsätze durch den betreuenden Förster und am Ende Würstchen vom Grill für alle. Heimat.

Auf in den Oktober!

Pünktlich wie eh und je, meine Pläne für diesen Monat.

Schon getan im Oktober: einen ganzen Tag im Regen verbracht und am Ende 150l Apfelsaft nach Hause gefahren. Den Erntedankgottesdienst besucht.

Zum Freuen im Oktober: Ich bin auf eine Party eingeladen, die Vorbereitung für die Uniliga geht los, ich werde mal wieder eine Realgemeinde erwandern, ich fliege dem Besten hinterher nach Fernost, zwei Kolleginnen feiern ihre Promotion mit Gänselieslküssen und einer fetten Party, und die Abteilungsehre muss auf einem Fußballturnier verteidigt werden. Ach ja, und dann ist es ja auch noch Herbst, mit bunten Blättern, Kürbisernte, Schmuddelwetter und viel Tee.

Auf Arbeit im Oktober: geht es hoffentlich bald ordentlich voran. Ich denke es wird stressig, aber zwischendurch bin ich dann ja mal kurz weg, es wird also auszuhalten sein. Ein Vortrag meines Betreuers über mein Projekt macht dann den Auftakt, ich darf selber zum Wander-Retreat auch nochmal ran und dann für Anfang November eine richtige Präsentation vorbereiten. Leider fahre ich nicht mit den Kollegen nach Berlin auf Tagung, da hätte ich auch echt Lust drauf gehabt.

Nestbautrieb im Oktober: Ich habe Stoffe bestellt und war beim schwedischen Möbelhaus. Jetzt wollen die Wohnzimmervorhänge endlich gekürzt, die gekauften Stoffe vernäht und alles hübsch hergerichtet werden. Ein paar Bilder warten auch immer noch auf ihren großen Einsatz an der Esszimmerwand. Pläne über Pläne, Ideen ohne Ende, nur die Zeit…

Soweit, so gut, ich bin gespannt, was dieser Monat noch alles so bereithält. Habt einen schönen Herbst!