Sturmerprobt

Als ich heute früh aus dem Fenster schaute, dachte ich mir „Na gut, das regnet jetzt ein bisschen, da musste halt durch.“ Als ich dann vor der Haustür stand, dachte ich mir „Uahh, das ist ja ordentlich Regen. Bis du auf Arbeit bist, biste durch.“ Als ich erkannte, dass der Wind letzte Nacht meine Fahrradsatteltrockenhalteplastiktüte weggeweht hatte, fluchte ich. Als ich an der ersten Straßenecke war, war ich schon völlig durchnässt und der Regen kam mehr von der Seite als von vorne. Als ich an der Kirche vorbei fuhr, dachte ich „Was für ein Sturm! Vielleicht hätte ich das Schlimmste zu Hause abwarten sollen.“ Als der Wind mir einen kleinen Ast vors Rad wehte, dachte ich „Hm, habe ich eine Unwetterwarnung verpasst?“ Als am Haus neben mir eine Sturmböe einen Dachziegel zu Boden beförderte, dachte ich „Du solltest wirklich nicht draußen sein!“ Als ich an der Ampel hielt und sah, wie der Regen die Bundesstraße quasi waagerecht hinaufpeitschte, kamen mir Zweifel, ob ich fahrend die andere Seite erreichen würde oder nicht aus Stabilitätsgründen lieber schieben sollte. Als ich am Supermarktparkplatz vorbeifuhr, sah ich einen Handwerker zum Auto rennen. Als ich an der zweiten Ampel hielt, kam der Regen von hinten rechts. Als ich an den Bushaltestellen am Klinikum vorbeifuhr, schauten mich die wartenden Menschen unter den Schutzhäuschen mitleidig an. Als ich mein Rad anschloss, tropfte es von meinem Helm, meiner Jacke, meiner Hose. Heile angekommen. Und mal wieder sehr froh einen Fahrradhelm zu tragen.

Übrigens: Meine Hose war heute Nachmittag gegen drei dann wieder komplett trocken. Meine Schuhe wurden es den ganzen Tag nicht.

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