Was habe ich getan?

Eigentlich wollte ich mich ja spätestens am 23. hier melden, von meiner vollgepackten Vorweihnachtswoche erzählen und allen Frohe Weihnachten wünschen. Dann aber lag ich am 23. im Bett, mit mir ein fieser Husten, eine laufenden Nase, schmerzende Glieder und ein dicker Kopf. Ich konzentrierte meine Energie also auf die wesentlichen Dinge und war Heiligabend tatsächlich auch schon wieder „fit“ genug um das Pflichtprogramm aus Kirche, Essen und Bescherung mit der Familie zu feiern. Jetzt also im Schnelldurchlauf vom letzten Adventswochenende bis heute 😉
Donnerstag, 15. Dezember: Früher war alles besser! Weihnachtsfeier des Studiengangs, und meine Güte, was sind die neuen Studenten alles angepasste Streber. Und dabei waren wir das schon. Aber vielleicht ist bei Jahrgang 1998 die Altersdifferenz auch einfach schon zu groß.
Samstag, 17. Dezember: Weihnachtsmarktbesuch mit Cousine und Kind. Ich bin die Böse, warum auch immer, gegen mich muss die Karre verteidigt werden. Anschließend hat der beste Freunde zum Abendessen und ich zum Kekse backen eingeladen. Unter konstanter Zuckergussinfusion verzieren wir bis nachts um zwei Einhörner, Flamingos, Füchse, Eulen, Haie, Schildkröten, Kamele usw. bis wir lachend zusammenbrechen.

Sonntag, vierter Advent: Der Beste und ich brauchen noch Geschenke für die Verwandtschaft und stehen kurzerhand den ganzen Tag in der Küche. Es gibt Kokos-Kugeln, Baileys-Boller, Rum-Rudolph-Cakepops und Nougat-Cashew-Sterne. Und kein einziges gutes Foto der fertigen Kreationen.
Montag und Dienstag sind voll mit Arbeit für mich. Dienstag halte ich einen wichtigen Vortrag vor erfrischend wenig Menschen (die Weihnachtswoche halt) und bekomme mal wieder interessante Ideen. Dann wird es ein wenig hektisch noch schnell alle offenen Baustellen zumindest soweit abzusperren, dass über die Feiertage hinweg nichts passiert und dann habe ich Urlaub. Der Beste kommt erst Abends spät zu mir aufs Sofa, er hatte noch ein Seminar außerhalb der Stadt.
Am Mittwoch können wir zwar Ausschlafen, aber dann hat uns die Erledigungsmühle schnell gepackt. Ich muss noch ins Stoffgeschäfft und wir brauchen neue Glühlampen fürs Esszimmer, denn die vorletzte von ehemals fünf ist inzwischen kaputt gegangen. Dann besuchen wir einen Freund im Krankenhaus, der sich noch am Vorabend spontan von seinem Blinddarm trennen musste. Zum Glück ist alles problemlos verlaufen und er wird am nächsten Tag schon entlassen. Wir radeln weiter, einmal quer durch die ganze Stadt um anderen Freunden beim Umzug zu helfen. Es ist kälter als gedacht während wir Kisten, Möbel und Kleinkram schleppen und hinterher braucht es eine ganze Pizza um mich wieder aufzuwärmen. Anschließend lassen wir den Abend noch auf dem Weihnachtsmarkt und in einer Bar mit den besten ehemaligen Kommilitonen ausklingen. Ich trinke heiße Schokolade mit Batida de Coco (lecker) und heiße Orange mit Thymian (sehr lecker).
Donnerstag muss ich dann auch noch früh aus den Federn, es geht auf Jagd. Leider ist das Wetter nur sehr mäßig, es regnet den ganzen Tag. Ich bekomme kalte Füße in meinen Gummistiefeln aber bleibe unter Vaters Regenponcho immerhin schön trocken. Abends fühle ich mich unendlich müde, mich fröstelt und als ich endlich zu hause bin geht es mir gar nicht mehr gut. Ich schlafe in Jogginghose und Kapuzenpulli und verbringe den nächsten Tag im Bett. Der Beste macht mir schließlich Pizza, die eine erstaunliche heilende Sofortwirkung hat.
Am Heiligabend bin ich dann noch angeschlagen, aber soweit wieder hergestellt, dass wir die Pralinen, Rudolphe und noch dazugekommenen Schokomandeln verpacken können. Bei der Familie gibt es dann das übliche Weihnachtsbingo. „Der Baum steht schief“ „Ist der Fisch auch wirklich durch?“ „Dieses Jahr gibt’s keine Geschenke“ (als ob) und „dreh mal die Kassette um!“, wir gehen in die Kirche, essen Forelle und werden alle viel zu reich beschenkt. Als ich abends in unsere Wohnung komme haben der Beste und sein Bruder ihre Feier auch schon verlagert und sitzen gemeinsam programmierend vor dem Rechner. „Wir haben hier aber Spaß!“
Am ersten Weihnachtstag soll es Weihnachtsessen bei meiner Familie geben. Wir haben uns zu helfen bereit erklärt und schuften mit meiner Mama durch ihr Küchenchaos. Am Ende steht ein leckeres Menu auf dem Tisch, aber wir sind alle ein bisschen fertig. Es gibt Ochsenschwanzsuppe mit Ravioli, Wildschweinbraten mit Schnupf- Schrumpf- Schupfnudeln und Rosenkohl und ein Spekulatiustramisu mit Himbeeren. Wir essen uns alle ziemlich kugelrund.



Auf ein ausgedehntes Nachmittagsprogramm verzichten wir dann, inzwischen hat meine Erkältung auch den Besten erwischt und ich verordne ihm Sofapause. Wir gucken also eine ziemlich alberne Youtubeweihnacht, trinken Tee und ich finde Zeit zum Stricken. Ein wundervoll entspannter Abend!
Für den zweiten Weihnachtsfeiertag ist dann Verwandtschaftsbesuch im Harz angesagt und trotz angeschlagener Gesundheit machen wir uns auf dem Weg. Auch das wird ein schöner Tag mit vielen lieben Menschen und sehr viel gutem Essen.
Jetzt sind wir wieder zu hause, kurieren uns aus und werden ganz entspannt das Vortragsprogramm des CCC vorm Sofa aus verfolgen. Ein Hoch auf das digitale Leben 🙂

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Andalusien: die lange Anreise

Ja, ich hab‘s nicht vergessen, ich schulde noch ein paar Berichte und Eindrücke von unserer Andalusientour. Ich weiß nicht so recht wie ich das sinnvoll anstellen soll ohne in die übliche „und dann haben wir…“ Erzählerei zu verfallen, aber vielleicht ist das ja trotzdem ganz interessant.
Los geht‘s mit der dicksten Geschichte des Urlaubs, die eigentlich noch vor dem Urlaub steht. Gute Urlauber wie wir sind, waren wir am Flugtag extra pünktlich am Fraport, gaben unser Gepäck auf und stellten uns auf die übliche Warterei ein. Irgendwie am Rande bekamen wir dann mit, dass das gesamte Terminal geräumt wurde, „Behördeneinsatz“, vielleicht erinnert sich der ein oder andere an die Meldung in der Tagesschau. Zunächst dachten wir uns dabei nix, war ja noch genug Zeit. Es wurde dann auch schon wieder Entwarnung gegeben, der Bereich wieder schrittweise geöffnet. Wir standen also in der Schlange um zum Sicherheitscheck voran zu kommen, da kam die gefürchtete sms: Ihr Flug wurde annulliert. Schicksalsergeben reihten wir uns also in die Schlage zur Umbuchung ein, standen dort drei Stunden herum und bekamen schließlich neue Tickets für den nächsten Tag und ein Hotelvoucher. Die erste Urlaubsnacht verbrachten wir also ohne Gepäck im ICE Hotel Frankfurt Flughafen. Ein total malerischer Ort direkt auf der anderen Seite des Rollfelds, mit einer beruhigenden Autobahn auf der anderen Seite.

Das Abendessen war okay, eine Notfallzahnbürste gab‘s auch und das Frühstücksbuffet am nächsten Morgen war richtig gut. Haben wir das also auch mal erlebt. Um unsere Odyssee perfekt zu machen waren wir am nächsten Tag nicht auf einen, sondern auf zwei Flüge umgebucht worden, noch dazu eine andere Fluggesellschaft. Unsere Koffer sollten dann automatisch mitgenommen werden, sie seien ja schon im System. Wir brachen also gespannt auf, einmal Frankfurt – Rom und direkt weiter Rom – Málaga. Meinem Magen gefiel das gleich zweimalige Starten und Landen zwar nicht, aber immerhin waren wir nach fünf Stunden Reise dann tatsächlich in Spanien. Nur: unsere Koffer nicht. Die waren natürlich noch „im System“ im Frankfurt. Wir wissen jetzt also auch wie man Gepäck als vermisst meldet. Wenig begeistert holten wir dann unseren Mietwagen ab, der erste richtige Lichtblick des Tages, ich hatte darüber ja schon berichtet.
Unser ursprünglicher Plan hatte vorgesehen nach der Anreise eine Nacht bei Málaga zu übernachten und am nächsten Tag nach Granada weiter zu fahren. Da wir ja jetzt einen Tag zu spät waren, fuhren wir also direkt die anderthalb Stunden nach Granada, denn unsere Unterkunft dort hatten wir schon gebucht.
Unsere Koffer tauchten dann am nächsten Abend in Málaga auf, und da wir den „wir schicken das mit dem Kurier, ist dann morgen Mittag bei Ihnen“ Versprechungen eher skeptisch gegenüber standen, fuhren wir also nochmal zurück. Immerhin, wir konnten die Koffer und damit unsere Wäsche, Hygieneartikel und anderen Habseligkeiten tatsächlich relativ problemlos im Empfang nehmen. Auf dem Rückweg nach Granada gönnten wir uns dann noch einen Badestopp an der Costa del Sol und so hatte alles dann letztendlich ein gutes Ende, oder vielmehr der Urlaub einen verspäteten Start.
Nächstes Mal dann mehr zu Granada und unserer etwas außergewöhnlichen Unterkunft.

Shanghai


Es begab sich aber zu einer Zeit, da der Beste für vier Wochen ans andere Ende der Welt zog um seinen wissenschaftlichen Horizont zu erweitern. Und da es sich damit um eine einmalige Gelegenheit für mich handelte, ebenfalls meinen Horizont zu erweitern, nahm ich eine Woche Urlaub und flog mal eben hinterher nach Shanghai.
Shanghai ist keine Großstadt, sondern einen Riesenstadt. Etwa 20 Millionen Menschen wohnen dort, plus noch ein paar Millionen illegaler Wanderarbeiter. Es gibt viele sehr große Shoppingmalls, noch mehr Hochhäuser und eine atemberaubend erleuchtete Skyline. Es gibt aber auch viele Parks und Grünflächen, buddhistische Tempel und einen alten chinesischen Garten. Man kann sehr preiswert und sehr lecker essen, je nach Geschmack sehr scharf oder auch nicht. Einen großen Becher Schwarztee mit Milch oder einen Zitronengrüntee mit Eis auf die Hand für unterwegs und los geht‘s. Die Metro fährt zuverlässig, schnell und preiswert und ist, genau wie alle Straßen, auch auf Englisch beschriftet. Nur beim Bestellen im Restaurant oder Café wird es sprachlich zum Abenteuer, mit Lächeln, Gestik und ein bisschen Glück kommt man aber zum Ziel.
Ich habe in einer Woche alle wichtigen Sehenswürdigkeiten gesehen und dazu ein bisschen in eine Kultur geblickt, die einfach anders ist. Gern wäre ich ein bisschen länger geblieben, um noch ein paar weitere kulinarische Experimente zu wagen und für jeden der Daheimgebliebenen das perfekte Souvenir zu ergattern.

Ich habe die Skyline von Pudong am Abend bewundert, war im Yu Garten und Stadtgotttempel, bin durch die alte französische Konzession gelaufen und habe Chinesen im Park beim Tanzen und Wasserkaligraphieren beobachtet. Ich bin sogar außerhalb der Stadt im Naturpark von Sheshan wandern gewesen und habe mit einem chinesischen Baby für ein Foto geposed. Ich habe den buddhistischen Jing‘An Tempel besucht und anschließend die Konsumtempel auf der Nanjing Donglu durchstöbert. Uns wurden mehrfach Uhren und Handtaschen angeboten und wir waren die einzigen, die bei Luftqualitätsindex „ungesund“ die Feinstaubmasken trugen.

Wir haben alle Varianten von Teigtaschen und gefüllten Hefeklössen probiert, sind große Fans von süß-saurem Schweinefleisch geworden, haben einmal ein scharfes Hühnchen (inklusive Kopf und Füße) bestellt und zur Heimwehbekämpfung im Paulaner Biergarten gegessen. Ich habe mit Zeigen und Nicken an Straßenständen Essen gekauft, süßes Brötchen mit geschreddertem, getrockneten Fleisch probiert und das schlimmste Wassereis meines Lebens gegessen.

Und als die Stewardess auf dem Heimflug bedauernd sagte sie habe nur „diesen Jasmintee“, da waren wir fast ein bisschen entrüstet. Jasmintee rockt.
Kurzum: es war einen tolle Erfahrung. Shanghai ist perfekt für einen Städtetrip und westlich genug, um einen sanften Einstieg in die chinesische Kultur zu erlauben. Ich würd‘s wieder tun.

Andalucía mit Auto

Ich weiß nicht wo ich anfangen soll mit Urlaubserzählungen, wir haben soviel gesehen… Málaga, Granada, Córdoba, Sevilla, Jérez, Cádiz, Tarifa, Ronda und wieder Málaga. Alles mit dem Mietwagen, das heißt viele Kilometer auf landschaftlich reizvollen Strecken. Also, erstes großes Thema: Autofahren in Spanien.

Braucht man denn überhaupt ein Auto? Kommt ganz drauf an. Wenn man sich vor allem die großen Städte angucken möchte, eher nein. Man kommt dem Hörensagen nach sehr gut mit Fernbussen umher und hat vor allem ein großes Problem weniger: die Parkplatzsuche. Andererseits gibt so ein Auto unheimlich viel Flexibilität. So konnten wir noch einmal zum Flughafen zurückfahren um unsere Koffer abzuholen (ein andern mal dazu mehr), man ist zeitlich nicht gebunden, man kann unterwegs noch andere Orte oder Sehenswürdigkeiten mitnehmen, man kann beim Lidl einfach ein paar 6er Träger Wasser auf Vorrat ins Auto laden und so weiter. Besonders nützlich ist das Auto, wenn man in kleineren (Strand-)Orten weilt, dann stehen nämlich sämtliche Badebuchten der Umgebung oder außerhalb gelegene Aktivitäten (Ponyhof, Surfschule, Kletterpark) zur Verfügung.
Und wo mietet man das? Für uns war von vornherein klar, wir wollen zwei Fahrer haben und eine Komplettversicherung für alles, was so passieren kann. Nachdem die preisgünstigen Anbieter auf den gängigen Portalen stets schlechte Bewertungen im Bereich Kundenservice hatten, fand der Beste nach langer Recherche zu Helle Hollis. Sicher nicht die günstigsten, aber dafür mit absolut reibungslosen Service und guten Frühbucheraktionen. Die Übernahme bei der Ankunft dauerte etwa 10min, es wurde sogar deutsch gesprochen, dann gab es noch ein Mineralwasser aufs Haus dazu (eine nette Aufmerksamkeit wenn man gerade aus dem Flugzeug kommt) und den Schlüssel in die Hand. Wir hatten die zweitkleinste Fahrzeugkategorie gebucht und bekamen einen schicken VW up! Der Wagen war noch recht neu und für unsere Bedürfnisse optimal. Wie bei vielen neuen Autos ist der Motor nicht der Stärkste, wenn‘s auf der Autobahn bergauf ging mussten wir schon kämpfen, aber dafür fährt man dann auch nicht so leicht in die Radarfalle 😉 Die Rückgabe war dann übrigens in weniger als 5min erledigt, sodass wir vor Ort noch schnell unsere Koffer wiegen konnten (wieder ein einfach gut durchdachter kleiner Service), bevor es mit dem shuttle zum Flughafen ging. Wer in Málaga einen Mietwagen sucht, Helle Hollis mal auschecken.
Und, wie ist es so, mit den Spaniern im Straßenverkehr? Also wir hatten Spaß. Man braucht schon ein bisschen Nerven, vor allem im Stadtverkehr. Da wird dann schon mal gern rechts überholt, auch ohne Blinken eingeschert, an Kreuzungen gibt es grundsätzlich zweispurige Kreisel mit Fußgängerampel an der KreiselAUSfahrt und gehupt wird natürlich auch viel. Spanier parken auch gerne mal (mit Warnblinker) in zweiter Reihe, im Halteverbot, in Kurven, kurz: überall wo man nicht so wirklich parken sollte. Ist man dann aus dem Gröbsten raus und auf der Landstraße unterwegs wird es entspannter. Natürlich beißt so mancher Einheimische sicherlich ob der brav Tempolimit fahrenden Touris ins Lenkrad, denn es scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu sein: Wird ein Tempolimit nicht alle 500m erneuert, ist es aufgehoben. Wir fuhren jedenfalls in der Regel die (nach unserer Meinung) erlaubten 60 (oder 70, 80, 90) und wurden dennoch oft von deutlich schnelleren Wagen überholt.
Wie sind denn die Straßen so? Die mautpflichtigen Autobahnen in privater Hand sind astrein (und sauteuer), zumindest das kleine Stück dass wir gefahren sind (übrigens alles was AP-irgendeine Nummer heißt). Bei den staatlichen Autovias (alles mit A-ein-oder zweistellige Nummer) sieht das schon ganz anders aus. Es kann durchaus sein, dass man mal gemütlich mit 100 km/h unterwegs ist und auf einmal durch ein dezentes Schild gebeten wird, die Geschwindigkeit zu drosseln, gefolgt von einem Warnschild vor Straßenunebenheiten. Was dann folgt ist ein „Speedbump“ erster Güte, der selbst mit der vorgegebenen reduzierten Geschwindigkeit das ganze Auto ordentlich durchschüttelt. Ich habe mehrfach unsere Stoßdämpfer bemitleidet. Diese Art von Straßenschäden ist weit verbreitet und auf manchen Landstraßen sogar noch extremer und auch öfters mal ohne Vorwarnung anzutreffen. Also immer schön den Vordermann beobachten, wenn der dezent auf und ab wippt besser mal das Tempo drosseln.
Zum Schluss noch ein zwei Highlights unserer Tour und bestes Beispiel für wahllose Spanier. Nahezu überall auf spanischen Straßen wird Rennrad gefahren. Am Besten da wo es bergig und kurvig ist, aber auch durchaus mal auf dem Standstreifen der Autobahn. Und das haben wir mehrfach gesehen. Doch eher befremdlich, da dann mit 100km/h vorbeizuziehen. Nur einmal gesehen haben wir dann jemanden der auf der Autobahn gejoggt ist. Also zu Fuß gelaufen. Auf dem Standstreifen und, wie sich das gehört, entgegen der Fahrtrichtung. Da waren wir beide dann etwas irritiert, denn schönes Laufen ist das doch nicht und bei den Abgasen auch sicher nicht gesund. Aber Spanien ist halt anders.

Viel zu erzählen…


…hätte ich, denn wir sind gerade zurück von unserem Sommerurlaub in Andalusien. Zwei Wochen waren wir unterwegs mit dem Mietwagen, da kommt eine Menge zusammen. Bis ich jedoch die ganzen Bilder aufbereitet und alles in sinnvolle Häppchen zerlegt habe dauert es noch ein wenig.
Erstmal holt mich jetzt allerdings der Alltag wieder ein, aber nicht für lange. Heute haben wir nämlich aus der Bibliothek schon wieder Reiseführer geholt. Nächste Woche geht der Beste auf Business-Trip, mal wieder ans ganz andere Ende der Welt. Bis dahin lassen wir es uns ein bisschen gut gehen bei dem grauen Herbstwetter da draußen und igeln uns zuhause ein. Nach zwei Wochen unterwegs ist das eigene Bett ein wirklich schöner Ort 😀

Die Berge rufen! Teil 3

Der erste Teil des Reiseberichts findet sich hier, der zweite Teil hier.

Der nächste Tag begann erneut mit strahlendem Wetter. Im Nachhinein wäre auch eine Hüttenübernachtung am Vortag möglich gewesen, worüber ich mich unsinnigerweise noch immer ein bisschen ärgere 😉
Stattdessen besuchten wir die Breitachklamm, eine spektakuläre Schlucht mit rauschendem Wasser. Zwischen den dunklen Felswänden war das Fotografieren recht schwierig, aber dafür die Klamm umso eindrucksvoller.

Im Anschluss wanderten wir noch einen Rundweg um den nahen Engenkopf. Innerhalb von fünf Minuten schlug das Wetter dabei komplett um, von sonnig und warm zu neblig, kalt und windig.


Durch den allerschönsten Sturmwind kämpften wir uns bis zur Osterbergalpe hinauf. Hier waren die Kühe noch auf der Alm und wir konnten uns im kleinen Gastraum der Alpe aufwärmen. Ich trank eine Rohmilch (sehr, sehr lecker), der Beste aß heiße Hauswürstchen und das Schlimmste an Nebel und Wolken zog vorüber. Der restliche Weg zurück zu unserem Ausgangspunkt war unspektakulär und es fing erst an zu regnen, als wir das Buswartehäuschen erreichten. Daheim wurde heiß geduscht und noch einmal in nahe gelegenen Restaurant gespeist, diesmal mit einer zünftigen Schweinshaxe. Die dazugehörige Livemusik fand zum Glück in einem anderen Teil des Gastraumes statt 😀

An unserem letzten Tag räumten wir unsere Ferienwohung, stellten unsere Rucksäcke bei unserem Vermieter unter und besuchten die Oberstdorfer Skisprungschanze, offiziell die „Erdinger Arena“. Wir entschieden uns für eine Führung durch die Anlage und bekamen dabei allerhand Interessantes erzählt.

Unser Guide lebte den Wintersport und wusste viele Anekdoten und Insidergeschichten aus dem Skispringen zu berichten. So eine Schanze ist übrigens höher als es aussieht und vor allem der Schanzenhügel ist steiler als man denkt. Ich stelle es mir dagegen dann sehr niedlich vor wenn die 6-jährigen von der 20m Schanze springen, so ein Steppke mit Riesenhelm und Riesenskiern…


Im Anschluss spazierten wir durch Oberstdorf, besorgten die obligatorische Schneekugel für das Bruderherz und Bergkäse für uns, aßen sehr gutes Fastfood und verbummelten ein wenig die Zeit bis zur Heimfahrt. Die verlief für die deutsche Bahn erstaunlich unspektakulär und reibungslos, sodass wir pünktlich um 23:03 wieder in Göttingen standen.

Als Fazit: Es steht fest, dass wir nochmal in die Berge müssen. Ich möchte noch aufs Rubihorn steigen, auf einer Hütte schlafen, einen Schnupperkurs im alpinen Klettern machen oder mal durch so einen Gebirgsbach raften. Und die Alpenüberquerung, Oberstdorf-Meran, die kann ich mir immer noch sehr gut vorstellen.

Die Berge rufen! Teil 2

Der erste Teil des Reiseberichts findet sich hier.

Der nächste Tag hätte uns planmäßig tief in die Berge auf eine Hütte führen sollen. Da das Wetter für den nachfolgenden Tag aber nicht gut genug vorhergesagt wurde, um auch wieder von der Hütte zurückzukommen, entschieden wir uns für eine kleine Tagestour. Außerdem verweigerte der Beste einen weiteren Anstieg aus dem Tal. So fuhren wir mit der Seilbahn bis kurz unterhalb des Fellhorngipfels. Das Wetter war wunderbar, Föhnwind mit weiter Bergsicht. Wir waren beide beeindruckt von den vielen Gipfeln der Zentralalpen.

Nach einem kurzen Gipfelanstieg standen wir dann auf 2038m am Fellhorngipfel. Von dort führte uns der Weg über den Fellhorngrat bis zum Söllereck. Dank des guten Wetters und der Seilbahnanbindung waren wirklich viele Leute dort unterwegs, ein Kontrastprogramm zum Vortrag.

Schwindelfrei und trittsicher musste man wirklich schon sein, dafür boten sich aber auch richtig coole Ausblicke auf Berge und Täler.

Beim Abstieg kamen wir an einer noch bewirtschafteten Alpe vorbei, die Kühe waren allerdings auch hier bereits im Tal. Den letzten Rest fuhren wir dann faul wieder mit einer Seilbahn.

Auf Wunsch des Besten gab es dann noch eine Runde Sommerrodelbahn für jeden. Das machte wirklich Spaß, war aber auch beängstigend schnell. Zurück in Oberstdorf gingen wir für ein schnelles Abendessen einkaufen, Spaghetti mit Tomatensoße, das 5 Portionen Paket. Es blieb nichts übrig.

Fortsetzung folgt…

Die Berge rufen! Teil 1

Blick vom Balkon
Wir sind zurück aus unserem 4-Tages Kurzurlaub in den Alpen. Ich habe mich durchsetzen und den Besten überzeugen können, das alpine Wandern doch mal zu testen. Anfang der Woche ging es mit dem Zug nach Oberstdorf, Direktverbindung ab Göttingen. Zugreisen sind ja immer ein bisschen Nervenkitzel, man muss schon flexibel sein. Unser IC hatte dann bereits 20 min Verspätung („technischer Defekt“) als wir endlich einstiegen, die wir dann zwischenzeitlich auf 60 min ausbauten („Notarzteinsatz am Zug“, „Zugüberholung“, „Notarzteinsatz am Gleis“) . Entdeckung der Langsamkeit als Urlaubsentspannungsübung. In Oberstdorf wurden wir von unseren Vermieter am Bahnsteig abgeholt und bekamen ein paar Einsteigerinfos. Unsere Wohnung war klein und gemütlich, mit allem was wir so brauchen ausgestattet. Vom kleinen Balkon aus hatte man schon einen sehr schönen Bergblick, an dem ich mich in der gesamten Zeit nicht satt sehen konnte. Wir gingen noch einkaufen fürs Frühstück und später dann lecker Essen. Allgäuer Kasspatzen, ein Traum.

Am nächsten Tag war das Wetter ein wenig grau und neblig. Ich hatte eine „kleine“ Tagestour mit Gipfelbesteigung herausgesucht, zu der wir dann gut gelaunt aufbrachen. Zunächst ging es noch auf bequemen Wanderwegen durchs Tal, dann auf einer Waldstraße in schönen Kehren bergauf bis zum „Gerstruben“, einem alten Bergbauernhof.
Gerstruben
Von dort an wurden die Wegverhätnisse abenteuerlich, steil bergauf über Viehweiden, in Serpentinen durch wurzelige Bergwälder, über Steine, Schlamm und noch mehr Wurzeln. Je höher wir kamen, umso schöner wurde die Aussicht.
Panorama
Der Beste trug fast den gesamten Aufstieg unseren Rucksack und kämpfte sehr mit der dünnen Höhenluft, während ich nur mit der Kamera „bepackt“ vorauslief. Wir erreichten eine Art Bergsattel, an dem es auf der anderen Seite wieder steil bergab ging und staunten. Die letzten Meter bis zum Gipfel des Hahnenkopfes gingen dann recht gut. Leider zogen nun Wolken auf und verdeckten das Panorama, aber nichtsdestotrotz war es ein tolles Gefühl wirklich da ganz oben zu sein (1735m).
Auf dem Gipfel
Zur Belohnung gab es für jeden ein Landjägerwürstchen und eine Verschnaufpause. Der Abstieg war zunächst recht schön, wir sahen Gemsen auf einem nahen Grat, kamen durch interessante Höhenlandschaften und über die zwei Lugenalpen, die leider schon geschlossen waren.
Abstieg
Bier gab es an der unteren Alpe trotzdem, auf Vertrauensbasis im Brunnen deponiert. Eine schöne Idee. Danach ging es eine Viehtrift hinab durch dichten Bergwald bergab. Der Weg war steil, rutschig und ein bisschen langweilig, ich rutschte ein paar mal weg und landete auf dem Hintern. Endlich im Oytal angekommen gönnten wir uns jeder eine große Saftschorle in der Oytalhaus Gaststätte, von der aus wir dann den restlichen Weg zurück nach Oberstdorf in Angriff nahmen. Da das Vieh am Wochenende schon von den Alpen hinabgetrieben worden war, stand es nun im Tal auf der Nachweide. So viele Kühe! Und ganz ohne Zaun, stehen sie manchmal auch einfach auf dem Weg. Insgesamt waren wir diesen Tag etwa acht Stunden unterwegs und abends entsprechend fertig. Im Restaurant unweit unserer FeWo aßen wir dann wirklich sehr gut zu Abend, Kässpatzen und Hirschragout vom Feinsten.
Untere Lugenalpe
Fortsetzung folgt… 😉

Aus dem Urlaub: Turmhügelburg Lütjenburg


Bei Lütjenburg steht eine rekonstruierte frühmittelalterliche Turmhügelburg. Vorlage für die Errichtung war unter anderem ein Wandteppich, dafür sieht die Burg schon ziemlich cool aus. Rings um die Turmhügelburg sind verschiedene mittelalterliche Häuser, auch aus verschiedenen Epochen aufgebaut. Der Eintritt zum Gelände ist frei, der betreibende Verein bittet lediglich um ein Spende vom 2€ und dafür bekommt man recht viel zu sehen. Es gibt eine Kapelle, einen Kräutergarten, ein Gemüsebeet, ein Backhaus, Bienenstöcke, eine Schmiede, mehrere Wohnhäuser und einen Turnierplatz.

Wir sind uns über die Nützlichkeit der Turmhügelburg zur Verteidigung zwar etwas unschlüssig, ist sie doch komplett aus Holz gebaut und nicht sonderlich groß. Aber wird schon funktioniert haben. Trotz Ankündigung auf der Website fand zu unserem Besuch leider keine Führung über die Burganlage statt, vielleicht hätte man sich dafür anmelden müssen. Trotzdem ist die Burg ein sehr schönes Ausflugsziel und für Kinder sicherlich hochspannend.

Im Anschluss fuhren wir noch nach Lütjenburg selbst, eine sehr hübsche kleine Ostseestadt. Aus akuter Fotografiermüdigkeit entstanden leider keine Fotos, Lütjenburg ist aber definitv einen Abstecher wert 😉

Aus dem Urlaub: frischer Fisch vom Bottsand


Urlaub an der See heißt für mich auch immer Fisch essen. Jahrelange Bemühungen meiner Eltern („Wenn wir schon an der See sind, kannst du nicht jeden Abend Schnitzel essen!“) haben mich zunächst zum panierten Fischfilet gebracht. In den letzten Jahren habe ich dann Mut gefasst und mich zu ganzen Fischen (mit Gräten und Kopf!) vorgearbeitet. Und wirklich, frischer Fisch ist was richtig leckeres!
Über die Website Fisch vom Kutter vermarkten deutsche Fischer direkt ihren Fisch. Auf der Heimfahrt von den Fanggründen melden sie an, was es wo zu kaufen geben wird. Zu unserer großen Freude gab es ganz in der Nähe von Schönberg einen Fischhandel, der täglich frisches vom Kutter und gutes Geräuchertes verkaufte. An der Marina Wentdorf liegt der Verkaufskutter der Familie Rönnau. Bei einem ersten Besuch holten wir einen ganzen Dorsch für den Grill und ein bisschen Räucherfisch zum Probieren. Besonders überzeugt waren wir von der frischen Dorschfrikadelle.


Nach erfolgreichem Fischkauf erkundeten wir den angrenzenden Deich. Die Marina Wentdorf ist durch eine Landzunge, den Bottsand, vom Meer getrennt. Der Bottsand ist ein Vogelschutzgebiet und soll vor allem den bodenbrütenden Watvögeln als Rückzugsmöglichkeit dienen. Eine NABU Station auf dem Deich vermittelt in einer sehr guten Ausstellung die Besonderheiten des Bottsands. Hier erfuhren wir auch, dass es große Probleme mit Füchsen gibt, die selbst eigens errichtete Elektrozäune überwinden. Der Bottsand darf in der Regel nicht betreten werden. Lediglich eine Frau lebt in einer kleinen Hütte mit Solarstrom mitten auf der Halbinsel und zählt die Vögel, dokumentiert Bruterfolge und hat wahrscheinlich viel Langeweile. Wir beobachteten im flachen Wasser einem ganzen Schwarm Gänse, die mit viel Krawall aufflogen, um anschließend mit genauso viel Krawall wieder zu landen.


Wir liefen einmal durch die Dünen bis zum Strand, von dem aus man das Fahrwasser der Kieler Förde gut im Blick hatte, bevor uns auf dem schattenlosen Deich die Sonne wieder heimwärts trieb.